
Fotografische Serien zwischen Symmetrie und Spiegelung.
In der Ausstellung „multiple realities“ zeigt der Radolfzeller Fotograf und BFF-Professional Peter Kuhnle fotografische Serien, die sich mit formalen Ordnungsprinzipien und der Konstruktion von Bildräumen auseinandersetzen. Zu sehen sind unter anderem Arbeiten aus den Serien „kaleidoscopes“ und „symmetrics“.
Durch Multiplikation, Spiegelung und Neuanordnung fotografischer Aufnahmen aus verschiedenen Zeitebenen entstehen in den Arbeiten komplexe Bildräume, in denen der fotografische Moment in eine neue visuelle Gleichzeitigkeit überführt wird. Verschiedene Augenblicke scheinen nebeneinander zu existieren und in einem einzigen Bild aufzugehen, obwohl jedes einzelne Detail auch sehr gut für sich allein stehen könnte.
Die Ausstellung lädt dazu ein, vertraute Sehgewohnheiten zu hinterfragen und Wahrnehmung neu zu erleben. Obwohl die Serien auf ähnlichen formalen Prinzipien beruhen, entwickeln sie jeweils eine eigene visuelle Sprache. Wiederholung, Symmetrie und Spiegelung bilden das gemeinsame Fundament, werden jedoch unterschiedlich eingesetzt. So entstehen ornamentale Verdichtungen, die jedoch luftig wirken oder geometrische Ordnungen, die auf den ersten Blick keinerlei Ordnung zu folgen scheinen.
In der Fotoserie „kaleidoscopes“, die hauptsächlich aus Drohnenaufnahmen besteht, entstehen aus realen fotografischen Motiven durch Spiegelung und Neuordnung abstrakt wirkende Bildkompositionen. Kleine Details durchbrechen die scheinbar ideale Ordnung. Dadurch wird sichtbar, dass Harmonie nicht statisch ist, sondern stets auch von Spannung, Bewegung und Abweichung lebt.
So kann etwa eine nüchterne Autobahnauffahrt oder ein Getreidefeld zu einem ornamentalen Bildraum werden, die an orientalische Arabesken erinneren. Schiffe im Hafen scheinen sich zu schmuckhaften Mustern zu ordnen und Kühe auf einer Weide sinnliche Strukturen zu komponieren.
Bei „symmetrics“ greift Kuhnle das Prinzip der geometrischen Balance auf, jedoch bricht er es zugleich durch Unregelmäßigkeiten und Verschiebungen. Die Arbeiten dieser Serie wirken auf den ersten Blick streng geordnet: gespiegelte Bildstrukturen erzeugen eine klare formale Stabilität. Doch bei genauerem Hinsehen zeigt sich, dass die Form nicht vollkommen geschlossen ist. So entsteht eine Bildsprache, in der Ordnung und Abweichung nicht als Gegensätze erscheinen, sondern einander bedingen und eine neue Ebene kreieren.
Das aus dem griechischen stammende Wort „Kaleidoskop“ bedeutet sinngemäß „schöne Formen sehen“, während „Symmetrie“ für Gleichmaß, Harmonie und Ordnung steht. Dabei ist es die gute Mischung von alldem in der Ausstellung, in der die alltäglichen Szenen auf eine künstlische, ja künstlerische Ebene gehoben werden und so den Betrachter an neue, fast schon surreale Orte entführt.
Bei allen Arbeiten steht weniger der dokumentarische Inhalt als vielmehr die formale und ästhetische Wirkung im Mittelpunkt. Dabei spielt auch die ansprechende, stimmige Farbgebung eine wichtige Rolle.
Die Bildtitel sind dagegen gewollt nicht beschreibend angelegt, sondern dienen lediglich als Geodaten zur räumlichen Zuordnung der Aufnahmen. Der Blick soll sich konsequent und zielgerichtet auf Struktur, Rhythmus und visuelle Transformation richten.
Eröffnung Freitag, 16. Oktober 26, 19 Uhr
Peter Kuhnle wird bei der Eröffnung anwesend sein
Führung Samstag, 17. Oktober 26 – um 11 & 13 Uhr führt
Peter Kuhnle durch die Ausstellung
Um Anmeldung wird gebeten
Ausstellung 17. Oktober 26 bis 9. Januar 27, der Eintritt ist frei
Öffnungszeiten Mo bis Fr 08.30 – 18.30 Uhr,
Sa 08.30 – 17.00 Uhr oder nach Vereinbarung
Text: © Leica